8. MÄRZ 2022

INTERNATIONALER FRAUENTAG 2022

  • 08.03.2022

Egal ob beim Thema Entgeltgleichheit, bei der ungerechten Verteilung von Care-Arbeit oder struktureller Diskriminierung in internationaler Perspektive: Am internationalen Frauentag machen Gewerkschaften, Verbände und zivilgesellschaftliche Organisationen auf Gleichberechtigung und Frauenrechte aufmerksam.

Foto: iStock / Jacoblund

Auch 2022 ist unser Zusammenleben noch von patriarchalen Strukturen geprägt: Frauen übernehmen den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, werden auch in der Lohnarbeit schlechter bezahlt. Dazu wird jede dritte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von physischer und/oder sexualisierter Gewalt.

Der internationale Frauentag ist für die IG Metall dementsprechend keine folkloristische Routine, in der einmalig im Jahr Blumen verteilt werden. Nein, er ist viel mehr. Es geht nicht darum, einmal im Jahr Danke zu sagen, sondern immer wieder den Finger bezüglich Gleichstellungsfragen in die Wunde zu legen. Und neben vielen Erfolgen, gibt es hier noch einiges zu tun um echte Gleichberechtigung zu erreichen.

Thema Entgeltgleichheit:

Die IG Metall fordert nicht nur gleiche Bezahlung, sie tut auch etwas dafür. In tarifgebundenen Betrieben ist der sogenannte „Pay Gap“ zwischen Männern und Frauen deutlich niedriger als im bundesweiten Durchschnitt. Die Entgeltlücke wird erst dann stärker schrumpfen bzw. verschwinden, wenn die strukturellen Ursachen behoben werden. Das bedeutet, dass sich mehr Frauen für besser bezahlte Berufen mit den entsprechenden Entgeltgruppen entscheiden und auch in Unternehmen besser qualifiziert werden. Die IG Metall fordert hier verstärkte Bemühungen, Rollenmuster bei der Berufswahl abzubauen. Daneben ist es wichtig, dass Frauen die Möglichkeit haben in Vollzeit zu arbeiten. Dafür muss die soziale Infrastruktur krisenfest ausgebaut werden.

Zusätzlich zu den Entgeltfragen nehmen die qualitativen Forderungen und Themen zu, die tarifvertraglich gestaltet werden. Hier hat die IG Metall in den letzten Jahren Schwerpunkte gesetzt. Die Möglichkeit, Arbeitszeit bei Entgeltausgleich zu reduzieren oder die Wahlmöglichkeit zwischen Entgeltbestandteilen oder weiteren freien Tagen gehen in die richtige Richtung, Arbeitsbedingungen den Lebensbedingungen und Lebensphasen anzupassen. Neben der Tarifbindung als ein Faktor für mehr Entgeltgleichheit ist auch das Thema Mitbestimmung wichtig für Gleichstellung im Betrieb. Nach Betriebsverfassungsgesetz hat der Betriebsrat die Durchsetzung der tatsächlichen Gleichstellung von Frauen und Männern, insbesondere bei der Einstellung, Beschäftigung, Aus-, Fort- und Weiterbildung und dem beruflichen Aufstieg, zu fördern. Betriebsräte haben Mitbestimmungsrechte bei der Frage der Eingruppierung in Entgeltgruppe  von Tätigkeiten. Er wacht darüber, dass gleiche Tätigkeiten auch gleich bezahlt werden. Aus unserer Sicht muss die betriebliche Mitbestimmung gestärkt werden. Nur mit starken Betriebsräten sind diese Grundsätze im Betrieb Realität.

Thema Haushalt und Sorgearbeit:

Dieses Thema ist strukturell mit Entgelt- und Einkommensfragen verknüpft und die Datenlage ist eindeutig. Frauen und Männer teilen sich die Arbeit außerhalb marktorientierter bezahlter Erwerbsarbeit immer noch weitgehend nach traditionellen Geschlechterrollen auf. Dadurch wird die (finanzielle) Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verfestigt. Frauen reduzieren ihren Job aufgrund struktureller Unvereinbarkeit. Dazu gehören fehlende Betreuungsangebote für die eigenen Kinder oder auch die nichtvorhandende finanzielle Möglichkeit, zu pflegende Angehörige von Dritten betreuen zu lassen. Anreize die für die Wahl, den Job zugunsten von Care-Arbeit zu reduzieren liegt auch in der Steuer- und Familienpolitik. Das Ehegattensplitting ist hier ein Beispiel schlechter Politik.  

Die Entscheidung, Erwerbsarbeit für Sorgearbeit und Haushalt zu reduzieren hat auch Folgen bezüglich finanzieller Versorgung im Alter. Weniger Beitragszahlungen in die Rentenversicherung bedeutet eine deutlich geringere Altersrente. Benachteiligung gibt es aus diesem Grund auch bei den Betriebsrenten. Auch um Altersarmut zu vermeiden, müssen diese strukturellen Hindernisse für gleichberechtigtes Arbeiten und Leben abgebaut bzw. abgeschafft werden.

Internationale Perspektiven

Weltweit sind insbesondere Frauen Opfer diskriminierender Strukturen in Gesellschaft und Arbeitswelt. Frauen sind Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution und unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Frauen haben international im Zuge der Corona-Pandemie häufiger ihr Erwerbseinkommen verloren. Auch auf diese Zustände machen wir aufmerksam und setzen uns für die Rechte aller Frauen weltweit ein, für deren Sicherheit und Selbstbestimmung.

Um den internationalen Frauentag und die damit verbundenen Themen und Perspektiven sichtbar zu machen, organisiert die IG Metall viele Veranstaltungen in Betrieb und Gesellschaft.  Am 10. und 11. März bieten wir unter anderem exklusiv den Film „Die Unbeugsamen“ an. Dieses Angebot ist kostenfrei. Wer den Film über Frauen im Bundestag gerne sehen möchte, bitte hier bis zum 9. März verbindlich anmelden. Die Aktualität des Films wollen wir in einem Webtalk am 10. März ab 20 Uhr aufgreifen: Frauen lassen sich wählen und werden gewählt. Das gilt für die Politik, aber auch für die Betriebsratswahlen. Wir diskutieren mit Christiane Benner (Zweite Vorsitzende der IG Metall), Daniela Cavallo (Vorsitzende des Gesamt- und Konzernbetriebsrats bei VW), Bettina Haller (Konzernbetriebsratsvorsitzende bei Siemens) und Christa Nickels (Protagonistin des Films) über das Thema „Frauen entscheiden mit: Heute und Morgen“.

Viele Aktionen, Demonstrationen, Talks und Diskussionen gibt es auch auf lokaler Ebene. IG Metall, der deutsche Gewerkschaftsbund und eine Vielzahl anderer Organisationen haben tolle Programme am Start. Hier lohnt ein Blick auf die Homepages und social media.