Weltmarktspitze der Halbleiterindustrie siedelt sich in Magdeburg an

Investitionen in Hochschulstandort und Infrastruktur notwendig!

  • 22.03.2022

Die Ansiedlung Intels in Magdeburg stellt nicht nur historisch die größte Investition im Bundesland dar, sondern birgt nach Ansicht der IG Metall in Sachsen-Anhalt das Potenzial, dass in der Region das Palo Alto Ostdeutschlands entstehen könne.

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall

Mit offenen Armen heiße man den Chiphersteller willkommen und werde frühzeitig in einen intensiven Austausch mit dem Unternehmen treten. Die 17 Milliarden Euro zum Bau zweier Halbleiterproduktionsstätten seien nach Ansicht der Gewerkschaft ein starkes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt. 

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, erklärt dazu: „Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren leidvoll erfahren müssen, was es heißt, wenn Lieferketten nicht mehr funktionieren. Wir brauchen in Europa die Wertschöpfung für strategisch wichtige Vorleistungsprodukte wie Halbleiter. Auch wegen Perspektiven für die Beschäftigten in einer sich dramatisch verändernden Industrie. Dass sich nun mit Intel einer der größten Hersteller in Deutschland ansiedelt, begrüßen wir daher sehr.“

Die Chip- und Halbleiterproduktion sei aus Sicht der IG Metall ein extremer Zukunfts- und Wachstumsmarkt. Gerade mit Blick auf Elektro- und Hybridautos sei der Bedarf an Halbleitern etwa doppelt so hoch wie bei herkömmlichen Fahrzeugen. „Beim Chipboom ist noch kein Ende in Sicht. Gerade mit Blick auf Antriebsstränge oder andere Komponenten wie ADAS-Fahrerassistenzsysteme oder Infotainment wird der Bedarf eher weiter steigen.“, schildert IG Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger und weist darauf hin, dass das Potenzial des autonomen Fahrens dabei noch nicht vollständig berücksichtigt sei. Auch, wenn die Kriegsfuß-Mentalität des Silicon Valley und der Tech-Unternehmen hinlänglich bekannt sei – so prägte Intel-Mitbegründer Noyce den Satz: „Für die meisten unserer Unternehmen ist es überlebenswichtig, nicht gewerkschaftlich organisiert zu sein“ -, werde man als den engen Dialog mit dem Unternehmen und seinen Beschäftigten suchen. Gröger erklärt: „Die Praxis zeigt, dass mitbestimmte Betriebe leistungsfähiger und zukunftsfester sind. In Betrieben, in denen die Beschäftigten organisiert sind, läuft es runder!“ 

Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Magdeburg-Schönbeck, Axel Weber, zeigt sich mit Blick auf die Investitionsentscheidungen ebenfalls zufrieden: „Das sind natürlich grandiose Nachrichten für Magdeburg. Nicht nur die unmittelbar entstehenden Arbeitsplätze, sondern auch die Sogwirkung für unsere ganze Region. Gerade mit Blick darauf, dass bei einigen Unternehmen – beispielsweise der Weber Magdeburg GmbH oder der FAM GmbH – in ziemlicher Größe Beschäftigungsverhältnisse abgebaut werden, ist der Aufbau an anderer Stelle natürlich erfreulich. Jetzt müssen wir mit Blick auf die bis zu 10.000 entstehenden Arbeitsplätze schauen, dass wir einerseits all jene qualifizieren, die anderswo ihren Job verloren haben und gleichzeitig auch massiv in neue Fachkräfte investieren!“

Dahingehend erwartet Weber massive Investitionen des Landes und des Bundes: „Einerseits muss klar sein, dass der Hochschulstandort in unserer Region von zentraler Bedeutung für das ganze Thema der Fachkräftegewinnung ist. Dahingehend muss nochmals deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden, um die Forschung und die Studiengänge an unseren Hochschulen zukunftsfester auszustatten!“, fügt der Metaller an: „Zudem muss stark in die Infrastruktur investiert werden: Natürlich ist die Anbindung beim Wettbewerb um die klügsten Köpfe auch wichtig. So sollte es keine Denktabus geben und auch über einen Ausbau von Hochgeschwindigkeitsverbindungen per Zug, beispielsweise in Richtung Berlin, nachgedacht werden.