Studienergebnisse

Die Extraportion Stress

  • 10.05.2021
  • Schnittstelle, Bundesweit

Studieren kann ganz schön anstrengend sein. Informatik, so das Ergebnis einer AOK-Studie, hat es besonders in sich. Und die anderen MINT-Fächer sind auch nicht ohne.

Foto:Koldunov/iStock

Doch selbst innerhalb der naturwissenschaftlichen und technischen Studiengänge gibt es einige Gruppen, die sich noch stärker belastet fühlen als andere. Das gilt zum Beispiel für Frauen und zugewanderte Studierende.

Frauen sind im Studium mit einer besonderen Stresssituation konfrontiert, und zwar vor allem in Studiengängen, in denen der Frauenanteil besonders niedrig ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie GenderMINT 4.0 der Technischen Universität München. Während es offenbar selbstverständlich ist, dass Männer ein naturwissenschaftliches oder technisches Fach studieren, müssen Frauen sich für diese Entscheidung permanent rechtfertigen. "MINT-Studentinnen werden sowohl von ihrer Familie als auch von ihren Freund*innen hinterfragt, wieso sie diesen Weg gewählt haben“, sagt Alexandra Sept, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Studie beteiligt war. "Die ständigen Rechtfertigungen zehren an den Kräften."

Schlechte Noten und dumme Sprüche

Viele Dozierende sind ebenso mit Stereotypen und Vorurteilen behaftet, so das Ergebnis der qualitativen Interviews. Sie beurteilen Leistungen von Frauen schlechter, sodass MINT-Studentinnen für die gleichen Noten mehr kämpfen müssen als ihre männlichen Kommilitonen."Wenn die Frauen nicht sicher sein können, dass sie gleich beurteilt werden, kann das zu Ängsten führen", gibt die Forscherin zu bedenken.

Finanzielle und sprachliche Hürden

Masih Azmal ist ein Mann. Doch auch er kennt das Gefühl, sich für seine Studienentscheidung rechtfertigen zu müssen. Der Iraner lebt seit fünf Jahren in Deutschland und studiert dual Elektrotechnik in Lörrach und St. Blasien im Südschwarzwald. Eine Wohnung am Studienort kann er sich nicht leisten, weil er mit seinem Gehalt die Familie im Iran unterstützt. Also steht der 31-Jährige jeden Tag um vier Uhr auf und nimmt um fünf Uhr den Zug nach Lörrach, um zwei Stunden später pünktlich in der Hochschule zu sein. Die größte Herausforderung sieht er aber in der deutschen Sprache: „Wenn ein Fach neu ist, brauche ich mehr Zeit, um die Fragen zu verstehen und darauf zu reagieren." Das Gefühl, sich ständig beweisen zu müssen, setze ihn sehr unter Druck. Dabei, sagt Masih Azmal, gebe er sowieso schon alles, um das Studium zu schaffen: "Natürlich möchte ich im Unternehmen bleiben, um eine gute Zukunft zu haben. Dass ich hier studieren darf, zeigt mir aber auch, dass ich in der deutschen Gesellschaft aufgenommen bin."